Wer sich durch Kommentarspalten auf Social Media, Newsseiten oder YouTube scrollt, stößt immer häufiger auf eine Welle aus Hate, toxischer Kritik und Verachtung. Seit 2017 beobachte ich eine Veränderung – nicht nur in der Intensität der Kommentare, sondern auch in ihrer Grundhaltung. Was früher kontroverse, aber sachliche Diskussionen waren, ist heute oft ein reiner Schlagabtausch voller Beleidigungen und Feindseligkeit. Es scheint, als wäre die Spaltung unserer Gesellschaft nirgendwo sichtbarer als in den Kommentarspalten. Aber warum ist das so?

Warum ist der Ton in den Kommentarspalten so toxisch geworden?
1. Die Spaltung der Gesellschaft wird online verstärkt
Unsere Welt ist unsicherer geworden: Pandemie, politische Krisen, Wirtschaftsturbulenzen und gesellschaftlicher Wandel führen dazu, dass sich viele Menschen orientierungslos fühlen. Diese Unsicherheit äußert sich oft in Wut – und die wird in Kommentarspalten abgeladen. Algorithmen sozialer Medien verschärfen das Problem, denn sie bevorzugen kontroverse, emotionale Inhalte. Extreme Meinungen erhalten mehr Sichtbarkeit, was dazu führt, dass sich die Gräben zwischen verschiedenen Ansichten noch weiter vertiefen.
2. Die Anonymität des Internets enthemmt
Viele Menschen schreiben online Dinge, die sie im echten Leben niemals sagen würden. Der Schutz der Anonymität oder das Gefühl, nur eine von vielen Stimmen zu sein, senkt die Hemmschwelle. Man ist nicht direkt mit den Konsequenzen der eigenen Worte konfrontiert, und so werden aus Meinungen schnell Beleidigungen.
3. Das Bedürfnis nach Kontrolle und Bedeutung
Warum fühlen sich so viele Menschen gezwungen, sich zu allem zu äußern – selbst zu Themen, von denen sie wenig Ahnung haben? Dahinter steckt oft das Bedürfnis, Kontrolle über die eigene Realität zu gewinnen. In einer komplexen Welt gibt es Sicherheit, eine starke Meinung zu vertreten. Wer online viel kommentiert, hat das Gefühl, Einfluss zu nehmen, gehört zu werden und Bedeutung zu haben.
4. Der digitale Empörungsmodus als Ventil für Frust
Ein weiteres Phänomen ist die zunehmende „Empörungskultur“. Oft geht es nicht mehr darum, konstruktiv zu diskutieren, sondern darum, recht zu haben und sich moralisch überlegen zu fühlen. Dabei wird ein Ventil gesucht, um eigene Frustrationen loszuwerden – ob über die Politik, die Gesellschaft oder das eigene Leben.
Ich sage immer: niemand kennt die absolute Wahrheit und es gibt eben verschiedene Perspektiven. Somit hat jeder irgendwie recht. Man könnte Dingen auch versuchen neutral zu begegnen….
Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Kommentarspalten sind ein Spiegel der Gesellschaft. Sie zeigen, wie tief Unsicherheit, Frust und Spaltung verwurzelt sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass die digitale Welt oft weniger Raum für echte, respektvolle Diskussionen lässt.
Die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Lassen wir uns von der digitalen Negativität mitreißen, oder schaffen wir bewusst Räume für echten Austausch? Der Wandel beginnt mit Bewusstsein – und vielleicht mit der Entscheidung, sich nicht von jedem Kommentar provozieren zu lassen.